Heute will ich den Relativismus genauer betrachten. Ich denke, dass dieser ein Hauptproblem unserer modernen Gesellschaften darstellt und uns in eine tiefe moralische Krise stürzt.

Jeder kennt das Problem. Man diskutiert über ein beliebiges Thema und dann geht es irgendwann nicht weiter. Oft hört man dann: “Jedem das seine!” oder “Du hast deine Wahrheit und ich hab eben meine.”

So oder so hört es sich an, wenn das Gegenüber keine Argumente hat und die der Gegenseite nicht akzeptieren will. Es ist eine schnelle und billige Flucht aus der Debatte, die sich zwar demokratisch anhört aber höchst problematisch ist. Schauen wir uns zunächst an, was der Relativismus ist.

1. Was ist Relativismus?

Der Relativismus bezeichnet die Überzeugung, dass es keine objektive Wahrheit, sondern nur individuelle oder kulturelle Wahrheiten gibt. Aussagen wie „Das ist deine Wahrheit, ich habe meine“ zeigen das ganz deutlich. Was auf den ersten Blick tolerant und freiheitsliebend wirkt, entpuppt sich jedoch bei näherem Hinsehen als tiefgreifende Bedrohung für Gesellschaft und Moral. Wenn alles relativ ist, was ist dann wahr und richtig?

2. Der Anspruch des Relativismus

Der Relativismus tritt meist mit zwei Kernthesen auf:

  1. Erkenntnistheoretisch: Wahrheit ist nicht erkennbar oder existiert nur relativ zum Subjekt.
  2. Moralisch: Gut und Böse sind nicht absolut, sondern hängen von Kultur, Zeit oder individueller Vorliebe ab.

Damit wird jede Form von objektiver Wahrheit – sei es naturrechtlich, moralisch oder religiös – bestritten.

3. Die inneren Widersprüche

Der Relativismus untergräbt sich selbst und widerspricht den fundamentalen Gesetzen der Logik. Ein Sachverhalt kann nicht gleichzeitig wahr und falsch sein (Gesetz der ausgeschlossenen Mitte). Man stelle sich folgende Aussage vor: Jetzt grade um 12:26 Uhr regnet es in Duisburg-Mitte. Diese Aussage entspricht nun entweder der Realität oder eben nicht. Jeder kann den Test machen und auf die Straße treten und sehen, ob er nass wird.

Hier noch einmal der Widerspruch des Relativismus:

  • Wer sagt „Es gibt keine absolute Wahrheit“, behauptet damit bereits eine absolute Wahrheit.
  • Toleranz, die häufig im Namen des Relativismus gefordert wird, setzt ebenfalls eine moralische Norm voraus.

Der letzte Punkt ist besonders im gesellschaftlichen Kontext wichtig und wird gerne übersehen. Warum sollte es richtig und wichtig sein “tolerant” aufzutreten? Ist es wahr, dass Toleranz wichtig ist? Wenn es keine absolute Wahrheit und Antwort auf diese Frage gibt, dann kann ich Toleranz einfach als falsch bezeichnen. Es ist halt meine Wahrheit, auch wenn ich diese erst vor 2 Minuten für mich konstruiert habe.

So zeigt sich: Relativismus ist nicht konsistent, sondern lebt von Voraussetzungen, die er gleichzeitig bestreitet.

4. Folgen für die Gesellschaft

Wenn Wahrheit und Moral relativiert werden, ergeben sich gravierende Konsequenzen:

  • Auflösung gemeinsamer Maßstäbe: Ohne ein objektives Gut gibt es keine verbindliche Grundlage für Recht und Gerechtigkeit. Moral wird zur Mehrheits- oder Machtfrage.
  • Beliebigkeit statt Freiheit: Freiheit setzt Wahrheit voraus. Wer nicht weiß, was gut oder böse ist, verliert Orientierung und wird manipulierbar.
  • Krise der Institutionen: Ehe, Familie, Menschenwürde – all diese Begriffe verlieren ihre feste Grundlage und werden beliebig umdefiniert.

Wir befinden uns Mitten in einer Sinnkrise. Gibt es mehr als 2 Geschlechter? Selbst wenn ja, kann ich einfach selbst mein Geschlecht wechseln? Das sind nur 2 Fragen, die unsere westlichen Demokratien beschäftigen und für ordentlich streit sorgen. Ohne absolute Wahrheit sind diese Fragen nicht zu beantworten. Wie sollen wir dann die wahrhaft essentiellen Fragen des Lebens zu beantworten versuchen?

5. Folgen für die Moral des Einzelnen

Der Mensch, der keine objektiven Maßstäbe mehr anerkennt, bleibt mit sich selbst allein. Das führt oft zu:

  • Sinnverlust: Wenn alles gleich gültig ist, wird alles gleichgültig.
  • Verantwortungslosigkeit: Wenn es kein objektives Gut gibt, kann man für Handeln kaum noch Verantwortung übernehmen.
  • Fragmentierte Identität: Ohne Wahrheit wird Identität zum Projekt der Selbstkonstruktion, welche nie Erfüllung bietet.

Es folgt der allumfassende Nihilismus und ich würde argumentieren, dass für jeden einzelnen große Gefahren daraus folgen. Suizid, Kriminalität sind nur zwei Ausflüsse aus einer zerstörten Identität, welche ohne Wahrheit keinen Sinn und keine Orientierung bieten kann.

Was für das Individuum katastrophal ist, kann später nur ebenso zerstörerisch auf die Gesellschaft wirken. Da Einzelne einen Einfluss auf die größere Gesellschaft haben und die Gesellschaft jeden Einzelnen beeinflusst, haben wir hier eine sich selbst verstärkende Rückkopplung mit Abwärtstrend. Es steigt ständig die Anzahl der Menschen, die ohne Sinn und Orientierung sind, was zwangsläufig die Gesellschaft als Ganzes bedroht. Gott sei gedankt gibt es eine Lösung für das Problem!

6. Die katholische Antwort

Die Kirche stellt dem Relativismus eine klare Alternative entgegen:

  • Wahrheit existiert und ist erkennbar, wenn auch nie vollkommen durchschaubar.
  • Moralische Maßstäbe sind nicht menschengemacht, sondern im Naturrecht und in Gottes Offenbarung gegründet.
  • Freiheit und Wahrheit gehören zusammen: „Die Wahrheit wird euch frei machen“ (Joh 8,32).

Damit wird deutlich: Nur die Anerkennung einer objektiven Wahrheit schützt den Menschen vor Beliebigkeit und die Gesellschaft vor dem Zerfall. Wir haben in verschiedenen Artikeln schon gesehen, dass der Glaube an Gott gut begründet ist (Die Existenz Gottes ist wahrscheinlicher als seine Nicht-Existenz). Weiterhin haben wir uns die Beweise für die christliche Offenbarung genauer angesehen und für authentisch und rational bewertet. Hier kann der Relativismus überwunden werden und ein neues Zeitalter der Wahrheit, Moral und Wissenschaft begründet werden.

7. Fazit

Der Relativismus erscheint modern und tolerant, ist aber in Wahrheit ein Symptom geistiger Erschöpfung und auch Verwirrung. Er nimmt dem Menschen jegliche Orientierung, dem Recht seine Grundlage und der Gesellschaft ihre Einheit. Er ist in der Lage eine Zivilisation in den geistigen Ruin zu treiben. Die Lösung ist eine Rückbesinnung auf funktionierende Werte. Christlicher Glaube und Vernunft hingegen bieten eine feste Basis, die Freiheit und Verantwortung miteinander verbindet.

Die Herausforderung unserer Zeit besteht darin, diese Wahrheit neu zu bezeugen – mit Mut, Klarheit und Liebe.


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