Dieser Artikel behandelt das grundlegende Glaubensgeheimnis des Christentums: die Heilige Trinität.
Wir Christen sind Monotheisten, glauben entsprechend an einen Gott. Dieser Gott hat sich jedoch in drei Personen offenbart. Gott den Vater, Gott den Sohn und Gott den Heiligen Geist. Das klingt erst einmal ungewöhnlich.
Es wundert daher wenig, dass viele Christen eine unzureichende Vorstellung von Gott haben. Wir kennen nur Menschen, die ein Wesen und entsprechend auch nur eine Person sind. Somit wundert es nicht, dass wir in Irrtümer verfallen oder falsche Analogien verwenden. In einer recht häufig verwendeten Analogie wird die Trinität mit Wasser verglichen. Wasser kann gasförmig, flüssig oder fest vorliegen.
Modalismus und Partialismus
Hier wird oft völlig unwissend die Häresie des Modalismus (auch Sabellianismus genannt) verbreitet, diese besagt, dass Gott verschiedene Masken trägt, je nach Situation zieht Gott die Maske des Vaters, Sohnes oder heiligen Geistes an. Gott sei nur eine Person, die verschiedene Modi manifestiert und verschiedene Rollen spielt. Natürlich ist so eine Sichtweise nicht haltbar, sie degradiert Vater, Sohn und heiliger Geist zu einem Schauspiel und beleidigt Gott. Auf mehreren Konzilen wurde der Modalismus verurteilt als Beispiele sind hier Nizäa (325 n. Chr.) und Konstantinopel (381 n. Chr.) zu nennen.
Auch recht bekannt ist die Analogie des dreiblättrigen Kleeblattes. Alle Blätter des Kleeblattes haben dieselbe Form und bilden dann in Summe das dreiblättrige Kleeblatt. Auch hier liegt eine falsche Vorstellung zugrunde, die Häresie des Partialismus. Gott ist hier nämlich hier zusammengesetzt und besteht aus Teilen. Es scheint nämlich so, dass die Teile nicht selbst 100% Gott sind. Gott ist kein Puzzle oder eine Maschine welche man zusammensetzen muss.
Natürlich haben alle Analogien sowohl treffende als auch unzutreffende Aspekte. Das liegt in der Natur der Sache. Dennoch hat es oft Nachteile, Gott mit stofflichen Substanzen zu vergleichen. Das geschaffene kann nur schwerlich das ungeschaffene spiegeln.
Ein häufig verwendetes Beispiel ist die Beschreibung Gottes anhand des Menschen. Dabei wird oft gesagt: Der Mensch besteht aus Körper, Geist und Seele, genauso wie Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist ist. Auch hier finden wir den Partialismus (Gott in Teilen). Körper, Geist und Seele besitzen unterschiedliche Eigenschaften, weshalb Vater, Sohn und Heiliger Geist ebenfalls verschiedene Eigenschaften hätten. Wäre das der Fall, würde es Abstufungen in Gott geben, und eine oder zwei göttliche Personen wären nicht vollständig Gott, sondern weniger fundamental.
Der heilige Augustinus hilft uns aus
Dieser Artikel präsentiert eine tiefgründigere Analogie, inspiriert von den Lehren des Heiligen Augustinus von Hippo. Dabei werden wir nicht nur diese verbesserte Analogie kennenlernen, sondern auch nachvollziehen, warum die Heilige Dreifaltigkeit die einzig überzeugende Erklärung für einen persönlichen Schöpfergott darstellt.
Gott ist das zentrale Ziel jeder Theologie. Wir möchten über Gott nachdenken und zu fundierten Erkenntnissen über ihn gelangen. Das ist jedoch leichter gesagt als getan. Auch im alltäglichen Glaubensleben streben wir danach, eine sinnvolle Vorstellung von Gott zu entwickeln. Wir können Gott nicht lieben, wenn unsere Vorstellungen von ihm falsch sind. Ganz nach dem Prinzip: Was ich nicht kenne, kann ich weder lieben noch vermissen.
Wie gelingt uns dies, wenn die heilige Schrift nicht alles über Gott offenbart?
Die Tradition liefert uns eine erste Antwort durch die negative Theologie (auch apophatische Theologie genannt). Dabei lässt sich relativ leicht bestimmen, was Gott nicht ist und auch nicht sein kann. Es ist eindeutig, dass Gott nicht sterben kann und nicht der Zeit unterworfen ist. Dies bedeutet Ewigkeit und schließt eine materielle Zusammensetzung Gottes aus. Materielle Strukturen sind veränderlich und vergänglich, daher können sie niemals grundlegend sein. In der Bibel wird nicht explizit ausgesagt, dass Gott nicht materiell ist, doch diese Erkenntnis folgt logisch aus der negativen Feststellung, dass Gott ewig sein muss.
Für uns ist an dieser Stelle jedoch besonders das Thema der Trinität von Interesse.
Wir bekennen, dass Gott ein unteilbares Wesen besitzt, gleichzeitig aber drei Personen in diesem einem Wesen ist. Diese Glaubenswahrheit wird nicht ausdrücklich in der Bibel formuliert. Doch finden sich Anklänge bereits im Alten Testament und noch deutlicher im Neuen Testament. Es bedurfte Zeit, die Heilige Schrift im Lichte der Tradition sorgfältig auszulegen und die Glaubensinhalte klar zu formulieren. Wer sich für das Thema Trinität in der Bibel interessiert, kann diesen Artikel lesen.
Warum muss Gott also dreipersonal sein?
Die Tradition bietet vielfältige Antworten und Analogien. Unser Fokus liegt jedoch auf Folgendem:
Es gibt nur einen Gott – darin sind sich alle monotheistischen Religionen einig. Wenn es also nur einen Gott gibt, ist dieser die ultimative Quelle und Antwort auf alle Fragen, die wir Menschen stellen können. Gott muss folglich die Grundlage und Quelle jeder Form von Erkenntnis sein. Wenn wir von Wissen und Wahrheit sprechen, muss Folgendes beachtet werden: Erkenntnis benötigt eine Beziehung, um überhaupt Sinn zu ergeben.
Wir sprechen nicht ohne Grund vom Erkennenden, dem Erkannten und der Erkenntnis selbst (dem Vorgang der Erkenntnis, welcher eine Art Interaktion zwischen den Objekten darstellt).
Ein Beispiel: Wir Menschen verfügen über Wissen zu schwarzen Löchern im Universum. Wir wissen, dass sie eine extrem hohe Masse besitzen, die in sich zusammengefallen ist. Dabei entsteht eine Singularität, in der die Schwerkraft so stark ist, dass nicht einmal Licht diesem Sog entkommen kann.
Wenn wir dieses Wissen über schwarze Löcher genauer betrachten, wird deutlich, dass wir Menschen die Subjekte der Erkenntnis und des Wissens sind – die erste Instanz.
Das Erkenntnisobjekt in diesem Fall ist das Schwarze Loch, die zweite Instanz.
Subjekt und Objekt sind voneinander unterschieden, doch um dem Ganzen weiteren Sinn zu verleihen, benötigen wir eine dritte Instanz: die Erkenntnis selbst. Sie fungiert als Verbindung zwischen Subjekt und Objekt. Erst durch das Zusammenspiel dieser beiden entsteht der vollständige Erkenntnisprozess. Kann man sich eine dieser Instanzen hinwegdenken, ohne auch die Erkenntnis an sich zu verlieren? Machen wir den Test: Kann der Mensch hinweggedacht werden? Nein, sonst gäbe es niemanden, der das Wissen über schwarze Löcher innehaben kann. Kann man das schwarze Loch als Erkenntnisobjekt hinwegdenken? Nein, ohne schwarzes Loch kann es natürlich auch kein Wissen über schwarze Löcher geben. Kann man den verbindenden Erkenntnisvorgang hinwegdenken? Nein, irgendwie müssen der Mensch und das schwarze Loch miteinander verbunden werden, ohne diese Verbindung, wie soll das Wissen über schwarze Löcher zur Menschheit gelangen? Der Mensch ist kein schwarzes Loch und das schwarze Loch ist kein Mensch, sie haben nichts gemein und doch kann der Mensch Vorstellungen von einem schwarzen Loch erlernen. Wie kommt jetzt so etwas großes und fremdartiges in den Kopf eines Menschen? Es gibt einen Abstrahierungsprozess, welcher es möglich macht etwas über die fremdartigen Eigenschaften des schwarzen Lochs zu erlernen. Somit ist auch die dritte Instanz nicht hinwegzudenken.
Auf den Punkt gebracht
Für Erkenntnis & Wissen benötigen wir:
1. Das Subjekt der Erkenntnis, den Erkennenden.
2. Das Objekt der Erkenntnis, das Erkannte.
3. Eine notwendige Verbindung zwischen den Instanzen.
Wenn Gott als persönlicher Gott verstanden wird, der über Verstand verfügt, stellt sich die Frage, wie Gott Erkenntnis erlangen kann. Woher stammen die Voraussetzungen der Relation, die notwendig sind, um von Erkenntnis und Wissen in Gott überhaupt sprechen zu können?
Neben Gott existiert nichts. Gott ist absolut und erhaben; neben ihm gibt es keine andere Existenz. Bevor die Schöpfung ins Leben gerufen wurde, besaß Gott bereits vollkommene Erkenntnis. Gott erlangt kein Wissen, denn er ist das Wissen in seiner Fülle. Daher stellt sich die Frage, wie wir von Wissen und Erkenntnis in Gott sprechen können, wenn nichts außerhalb von Gott existiert. Gott kann nur sich selbst erkennen. Erkenntnissubjekt, -objekt und -vorgang fallen in Gott zusammen.
Gott besitzt demnach kein Objekt der Erkenntnis. Das stellt ein grundlegendes Problem dar. Wissen und Erkenntnis sind immer Relationen, die nur in Bezug auf etwas anderes bestehen können. Wie können wir also von Gott als einen persönlichen und verstehenden Gott sprechen? Die Lösung dieses Problems ist einfach und zugleich genial.
Gott als Relation und Beziehung
Gott muss in Beziehung zu sich selbst stehen; die notwendigen Relationen sind in seiner Essenz verankert (ad intra). Dies ist die heilige Trinität. Der Vater erkennt sich selbst, und diese Form der Selbsterkenntnis bringt den Logos, den Sohn, in ewiger Generation hervor. Die Erkenntnis seiner Selbst ist der Heilige Geist.
1. Der Vater ist das Subjekt, der Erkennende.
2. Der Sohn ist das Objekt der Erkenntnis, das Erkannte.
3. Der heilige Geist ist die Erkenntnis selbst.
Alle drei müssen vollkommen mit der Essenz Gottes übereinstimmen. Sie sind keine Akzidenz – also kein zufälliges, unwesentliches oder veränderliches Element –, das Gott von außen hinzugefügt wird. Die drei Personen sind notwendige Selbstrelationen der göttlichen Essenz. Ohne sie wäre Gott eine machtlose Kraft, eine Monade ohne echte Fähigkeit, als Ursprung aller Erkenntnis zu wirken.
Wichtig ist hier zu erkennen, dass die Personen der Dreifaltigkeit alle göttlichen Attribute perfekt teilen. Es gibt nur einen göttlichen Willen. Das Christen an drei Götter glauben ist somit völlig ausgeschlossen, da diese Götter ja alle einen andersartigen Willen besäßen müssten. Verschiedene Götter hätten verschiedene Willen, verschiedene Wahrnehmung und verschiedene Attribute. All das ist in der Trinität nicht gegeben. Der Vater, Sohn und heilige Geist haben einen Willen und teilen auch die anderen göttlichen Attribute wie Allmacht, Allwissen, Unendlichkeit usw.
Eine vierte Instanz ist undenkbar sowie überflüssig. Daher existiert die Essenz Gottes als Dreifaltigkeit. Ein weiteres sehr anschauliches Beispiel dafür ist ebenfalls in der Liebe gegeben.
Liebe impliziert einen Liebenden (Vater), ein Ziel dieser Liebe (Sohn) und die Liebe selbst welche beide verbindet (heiliger Geist).
Eine andere Form des Monotheismus muss erklären, wie ihr Gott Erkenntnis, Wissen und Liebe als fundamentale Entität letztgültig erklären kann. Ohne Relationen in Gott ist dies nicht möglich.
Fazit
Wenn in Gott Relationen vorhanden sein müssen, dann sind diese notwendigerweise identisch mit seiner Essenz und somit stets vollständig Gott selbst. Es kann keine Abstufungen oder Unterschiede zwischen ihnen geben. Da kein anderes monotheistisches System Gott überzeugend beschreiben kann, ist die Trinität wahr und unvermeidlich.
Es ist daher durchaus angemessen, Gott als Gemeinschaft zu verstehen – als unverzichtbare Gemeinschaft, um Phänomene wie Wissen, Liebe und auch den Willen zu erklären.

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